Space Symphony

Januar 12, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Kann ein Software-Programm es mit dem menschlichen Genie aufnehmen?

Wieso? Musik ist nur angewandte Mathematik. Hier ist der Link zu einer ausgewachsenen Sinfonie, die von einem, von mir in meiner Freizeit erstellten Programm, generiert wurde:

http://www.youtube.com/watch?v=Lpiq4EjajL0

Die Musik kann bei Jamendo runtergeladen werden::

http://www.jamendo.com/de/list/a117423/space-symphony

Advertisements

Das Jahr 2012 war pure Musik

Dezember 22, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Jahr, das sich durch die gekauften CDs definiert, war ein gutes Jahr. Mag die Welt auch untergehen – solange ich ständig gute ,neue Musik zu hören bekomme, ist alles gut. Und musikalisch war es ein sehr gutes Jahr. Es fällt mir schwer, die fünf besten Alben des Jahres zu benennen. Ich tu’s trotzdem.

Alle fünf kommen aus der „File under Jazz“- Ecke, doch sind sie wirklich Jazz? Was ist Jazz anyway?  Karlton Hester meint in seinem lesenswerten – wenn auch einseitigen, Buch – „Bigotry and the Afrocentric ‚Jazz‘ Evolution“, dass Jazz ein rassistischer Begriff sei, der der afro-amerikanischen Musik von Weißen aufgedrängt wurde. Hester verfällt aber stellenweise in umgekehrten Rassismus, wenn er der europäischen Musik jeglichen stilprägenden Einfluss abspricht und Stravinsky und Co. nur zu Plagiatoren macht.

Es ist kein Rassismus meinerseits, wenn keines der fünf Alben amerikanisch ist. Das alte Europe ist halt noch lange nicht so tot, wie mache Kritiker jenseits des Teiches meinen. Mein Jahressieger kommt aus Deutschland:

1. Monika Roscher Bigband „Failure in Wonderland“

Monika Roscher erschafft eine musikalische Wunderwelt aus schrägem Pop und Bigbandjazz. Dabei entstehen Soundgemälde von unglaublicher Intensität. Sie schöpft aus der Popkultur, aus der Indie-Subkultur, sowie aus der glamourösen Welt der alten Swingorchester.. Suicide, Devo und Siouxsie treffen auf Kraftwerk, Yello und ABC und auf Paul Kuhn und Stan Kenton. Das ist wie käuflicher Sex auf Seidenbettwäsche mit einem Glas Sekt in der Hand (für Champagner reichte das Geld nicht mehr)

Den Titelsong gibt es hier zu hören:

http://www.youtube.com/watch?v=eh2MKMJiCdY.

2. Karin Hammar, Chris Jennings, Ingrid Jensen & Patrick Garaguer „Land“

Ich versuche skandinavischen Jazz zu vermeiden. Bei skandinavischem Jazz muss ich immer an die antiseptische Musik Garbareks denken. *Schüttel* Nachdem ich aber in dieses Album reingehört hatte, bestellte ich es mir ganz spontan.Das war eine gute Idee. Der Sound ist zwar nordisch kühl, klar und rein, aber voller Poesie. Die Musik wird bestimmt von den beiden Bläsern – Hammar an der Posaune und Jensen an der Trompete. Sie fließt schwermütig aber energiegeladen durch den Raum. Alles fließt – nichts ist eckig.Das klingt mehr nach Sibelius, denn nach Garbarek. Gut so! Diese Frau ist der Hammar – äh die Hammar ( der Kalauer musste jetzt sein).

3. Lucerne Jazz Orchestra “ Still now“

Die Schweizer mit ihrem deutschen Bandleader und Komponisten David Grottschreiber scheinen auch stark von der europäischen Klassik beeinflusst zu sein. Jedenfalls gibt es hier jede Menge Dynamik. Die Musik schleicht sich auf Samtpfoten an, explodiert dann, um sich wieder zurückziehen und schließlich erneut zu attackieren. Auch sie bieten Kino für den Kopf.

4. Toufic Farroukh „CINÉMA BEYROUTH“

zu diesem Album habe ich schon anderswo meinen Seng dazugegeben: https://uwefreising.wordpress.com/tag/farroukh/

5. Wolfgang Schlüter Quartett & NDR Bigband „Visionen“

Wenn Sie Visionen haben, müssen Sie nach Hamburg gehen. Ein 79-jähriger Vibraphonist spielt eine CD mit Eigenkompositionen mit der Bigband ein, der er 30 Jahre lang angehörte. Klingt nicht spektakulär. Ist es aber. Klar, die Musik steht in der Jazztradition, aber die Arrangements sind modern und die Band spielt mitreißend.

.

Aliens Ate My Popcorn

Juli 26, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

In einer ruhigen Nacht in einem ungenannten Seebad landeten sie. Sie sprachen zu laut und verschütteten meinen Longdrink. Aber sie brachten Solar Cat mit. Die jagte Atomic Dog und spießte ihn auf einen Pfahl. Ich verliebte mich in sie. Da aber kam Dorian Black zurück, der eitle Geck, und spannte sie mir aus. Gemeinsam flogen sie zurück nach Sirius. Ich verbuddelte Atomic Dog am einsamen Strand in fahlen Mondlicht.

New album out now:

http://www.amazon.de/gp/product/B008OGG2CM/ref=dm_sp_alb?ie=UTF8&qid=1343328234&sr=8-9

 

Eine musikalische Reise

Mai 29, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Jasper van’t Hof Œuvre (2012) Q-Rious Music

http://www.musicline.de/de/player_flash/4260027621183/0/0/-/product

Besetzung: Jasper van’t Hof (p), Harry Sokal (sax), Fredy Studer (dr), Stefan Neldner (bg)

Jazz Puristen mögen van’t Hof als Scharlatan denunziert haben in der Vergangenheit, da er oft den verhaßten Synthesizer (manchmal mit kitschigen Sounds) einsetzte. Dann hatte er auch noch Erfolg mit Pili Pili, einer Band, die afrikanische Tanzmusik spielte. Ja, die Konzerte waren ein Heidenspaß, aber war das wirklich Jazz? 1998, als er eine Platte mit Ernie Watts aufnahm (Canossa, eine CD, die ich immer noch sehr mag), benutzte er sogar Drum-Loops. Genug um die Fundamentalisten auf die Palme zu bringen. Der Penguin Guide to Jazz on CD (4th Edition) listet ihn nur als Sideman.

Aber die Dinge haben sich geändert. Jetzt hat er den Konzertflügel wiederentdeckt. Sein Solo-Piano-Album war zu „pur“ für meine Ohren. Seine Reanimation von Pili Pili als Avantgarde-Band, die nun plötzlich untanzbare Musik machte, war anspruchsvoll, aber auch ein Stück weit enttäuschend. Jetzt präsentiert er ein neues Album, das den gewichtigen Namen Oeuvre trägt, obwohl es keine Kompilation ist.

Das Quartett auf dieser Platte klingt, als hätten sie schon immer zusammen gespielt. Jeder Titel strahlt pure Schönheit aus – ohne gefällig oder gar kitschig zu sein. Manche Titel sind sehr komplex, andere einfacher in ihrer Struktur. Was natürlich für die Qualität der Musik unerheblich ist.

Van’t Hof hat es nicht nötig, den Chef raushängen zu lassen. Er zwängt den anderen seine Musik nicht auf. Jeder der vier ist ein vollkommener Musiker und zeigt das auch  – allerdings ohne mit seinem Können anzugeben. Sokal kann das Saxofon sowohl lyrisch als auch spannungsgeladen spielen. Neldner wechselt mühelos zwischen einem Walking-Bass, einem melodischen, rhythmus-orientierten (yes but)   oder funky Bass (Elusive).  Studer setzt immer die richtigen Akzente. Zusammen bereisen sie Landschaften von unterschiedlicher musikalischer Prägung. Es geht von mehr Bebop-orientierten Stücken über spirituelle zu Fusion-beeinflussten Tracks,

Als Fazit ist festzustellen, dass das Album schlichtweg perfekt ist. Van’t Hof schreibt in den Liner-Notes, dies sei möglicherweise die beste Band, mit der er jemals gespielt hat und wahrscheinlich hat er Recht.

Soundscapes voll Leidenschaft

Mai 7, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Stephan-Max Wirth Ensemble Passion (2012) BosRec

Besetzung: Stephan-Max Wirth (ts,ss), Jaap Berends (g), Bub Boelens (b), Florian Hoefnagels (dr)

Die Musik auf diesem Album ist irgendwo zwischen John Coltrane und Robert Fripp beheimatet; jedoch eher auf der Coltraneschen Seite. Leidenschaft regnet auf uns herab. Wirths Sax klingt sauber und kraftvoll und doch warm. Irgendwo da hinten murmelt Bub Boelens‘ Bass. Jaap Berends‘ Gitarre pendelt zwischen weinenden Violinenklängen und Windgeheul. Florian Hoefnagels legt das solide Fundament mit seinen Drums. Zusammen befreien sie uns von allen Gedanken an dringende Termine und wichtige Besprechungen. Die Zeit scheint angehalten. Es gibt nur noch die Ewigkeit.  Wir verlassen unsere Körper und treiben durch Raum und Zeit. Ein dichte Klangwolke schützt uns vor Kälte und anderen Gefahren. Ich kann all die glitzernden, leuchtenden Sterne am Firmanent sehen.

Alles in allem, ein Album mit neun Treffern und ohne Fehlversuch. Kurz: ein großartiges Album. Und: lasst euch nicht von der Schönheit der Musik täuschen; es ist definitiv kein Smooth-Jazz. Das treibende Python mag als Beweis dienen. Aber Leute, die Fripps neuere Werke mögen, könnten sich auch für diese Aufnahmen begeistern.

Eine Live-Version des Titelstücks findet man hier:

http://www.youtube.com/watch?v=tgzE47FDEMw&feature=youtube_gdata_player

No brain, no pain

April 30, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

TOUFIC FARROUKH CINÉMA BEYROUTH (2012) enja

Musiker: Toufic Farroukh (ss,ts), Nicolas Giraud (tp), Sylvain Gontard (tp), Daniel Zimmermann (tb), Didier Havet (tuba, soubassophone), Leandro Aconcha (p), Luc Isenmann (dr)

Der Einfluss Beiruts ist nicht sofort hörbar. Das Album klingt sehr europäisch. Im Unterschied zu seinen früheren Alben benutzt er hier auch keine arabischen Instrumente. Nun lebt Farroukh auch schon eine gewisse Zeit in Frankreich und Beirut war ja auch bekannt für seine Offenheit für westliche Einflüsse. Doch Beirut scheint nur noch eine Erinnerung zu sein, obwohl Farroukhs Kompositionen auf diesem Album bis 1994 zurückreichen. Die meisten schrieb er für Filme oder Ballette. Insofern weiß ich gar nicht, ob man dieses Album Jazz nennen kann – obwohl es doch alle tun. Alle Stücke sind komplexe, ausgearbeitete Konstruktionen, die jedoch nie seelenlos klingen. Die neueren gefallen mir irgendwie besser.

No brain no pain, der Eröffnungstrack ist von dem Ballett Deux points ouvrez les guillemets.  Es ist eine sehr verdichtete, dennoch komplexe Komposition und eine wunderbare Einführung in dieses Album. Wie auch die anderen Stücke, beschwört es starke Bilder in unserem Kopf herauf.

Wobei die Musik Farroukhs nicht besonders sonnig ist. Aber das Leben ist ja auch nicht immer sonnig. Zumindest nicht für die von uns, die noch einen Verstand haben. L’inaccessible a bras ouverts aus dem Film Fallafel drückt für Farroukhs Verhältnisse da schon Hochgefühl aus. Was auch nur gerecht ist, wenn man in Betracht zieht, wie verdammt gut das Zeug schmeckt, nach dem der Film benannt ist.

Aconcha hat bei den meisten Arrangements geholfen. Sie bringen die Trompeten – abwechselnd gespielt von Giraud und Gontard – ziemlich in den Vordergrund. Alles in allem, ist das Anhören dieses Album eine sehr starke aber auch lohnende Erfahrung.

Farroukh live: http://www.youtube.com/watch?v=ETlP2deXGn8

Ein spritzlebendiger, künstlicher See

April 15, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Benny Lackner Trio „Cachuma“ (2012) BHM/O-tonemusic

Musiker: Benny Lackner (p,keyb),Matthieu Chazarenc (dr), Jerome Regard (b).

Cachuma ist der Name eines künstlichen Sees in Kalifornien. Weder Liner-Notes noch Lackners Website ( http://www.bennylackner.com)  geben uns Auskunft darüber, ob der Albumtitel sich auf diesen See bezieht, aber Lackner lebte viele Jahre in Kalifornien. Und wenn es so wäre, was würde uns das über das Album verraten?
Lackner ist definitiv kein Traditionalist. Brad Mehldau war sein Mentor und auch wenn Lackner seine eigene Stimme in der Zwischenzeit gefunden hat, so ist der doch immer noch mehr Mehldau als Hancock. Sein Klavierspiel ist sehr melodisch und obwohl manche Kritiker sagen, er hätte einen modernen Stil, finden meine untrainierten Ohren doch Phrasen, die mich mehr an die europäischen Klassik denken lassen als an Jazz.

Lackner ist nicht der verrauchte-Keller-in-der-Nacht-Pianist. Seine Kompositionen sind klar strukturiert, sehr lebhaft und haben eine unglaublicheFrische. Er nutzt auch synthetische Klänge; spärlich allerdings. Manchmal ist die pure Schönheit seiner Melodien kaum zu ertragen- oder positiv ausgedrückt: das Album hat Hitpotenzial.
Das liegt auch mit an seiner französischen Rhythmusgruppe. Matthieu Chazarencs Drumming ist sehr dynamisch – und ja, er benutzt die Basstrommel – was normalerweise nur in Fusion erlaubt ist 🙂 . Jerome Regard ist ein großartiger Kontrabassist, der auch etwas Vagheit, zu der ansonsten sehr starken und definierenden Musik, hinzufügt. Das Album ist durch und durch sonnig und bunt.

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan die Kategorie Art for Arts Sake auf Semantik und Übertragung.