Das Jahr 2012 war pure Musik

Dezember 22, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Jahr, das sich durch die gekauften CDs definiert, war ein gutes Jahr. Mag die Welt auch untergehen – solange ich ständig gute ,neue Musik zu hören bekomme, ist alles gut. Und musikalisch war es ein sehr gutes Jahr. Es fällt mir schwer, die fünf besten Alben des Jahres zu benennen. Ich tu’s trotzdem.

Alle fünf kommen aus der „File under Jazz“- Ecke, doch sind sie wirklich Jazz? Was ist Jazz anyway?  Karlton Hester meint in seinem lesenswerten – wenn auch einseitigen, Buch – „Bigotry and the Afrocentric ‚Jazz‘ Evolution“, dass Jazz ein rassistischer Begriff sei, der der afro-amerikanischen Musik von Weißen aufgedrängt wurde. Hester verfällt aber stellenweise in umgekehrten Rassismus, wenn er der europäischen Musik jeglichen stilprägenden Einfluss abspricht und Stravinsky und Co. nur zu Plagiatoren macht.

Es ist kein Rassismus meinerseits, wenn keines der fünf Alben amerikanisch ist. Das alte Europe ist halt noch lange nicht so tot, wie mache Kritiker jenseits des Teiches meinen. Mein Jahressieger kommt aus Deutschland:

1. Monika Roscher Bigband „Failure in Wonderland“

Monika Roscher erschafft eine musikalische Wunderwelt aus schrägem Pop und Bigbandjazz. Dabei entstehen Soundgemälde von unglaublicher Intensität. Sie schöpft aus der Popkultur, aus der Indie-Subkultur, sowie aus der glamourösen Welt der alten Swingorchester.. Suicide, Devo und Siouxsie treffen auf Kraftwerk, Yello und ABC und auf Paul Kuhn und Stan Kenton. Das ist wie käuflicher Sex auf Seidenbettwäsche mit einem Glas Sekt in der Hand (für Champagner reichte das Geld nicht mehr)

Den Titelsong gibt es hier zu hören:

http://www.youtube.com/watch?v=eh2MKMJiCdY.

2. Karin Hammar, Chris Jennings, Ingrid Jensen & Patrick Garaguer „Land“

Ich versuche skandinavischen Jazz zu vermeiden. Bei skandinavischem Jazz muss ich immer an die antiseptische Musik Garbareks denken. *Schüttel* Nachdem ich aber in dieses Album reingehört hatte, bestellte ich es mir ganz spontan.Das war eine gute Idee. Der Sound ist zwar nordisch kühl, klar und rein, aber voller Poesie. Die Musik wird bestimmt von den beiden Bläsern – Hammar an der Posaune und Jensen an der Trompete. Sie fließt schwermütig aber energiegeladen durch den Raum. Alles fließt – nichts ist eckig.Das klingt mehr nach Sibelius, denn nach Garbarek. Gut so! Diese Frau ist der Hammar – äh die Hammar ( der Kalauer musste jetzt sein).

3. Lucerne Jazz Orchestra “ Still now“

Die Schweizer mit ihrem deutschen Bandleader und Komponisten David Grottschreiber scheinen auch stark von der europäischen Klassik beeinflusst zu sein. Jedenfalls gibt es hier jede Menge Dynamik. Die Musik schleicht sich auf Samtpfoten an, explodiert dann, um sich wieder zurückziehen und schließlich erneut zu attackieren. Auch sie bieten Kino für den Kopf.

4. Toufic Farroukh „CINÉMA BEYROUTH“

zu diesem Album habe ich schon anderswo meinen Seng dazugegeben: https://uwefreising.wordpress.com/tag/farroukh/

5. Wolfgang Schlüter Quartett & NDR Bigband „Visionen“

Wenn Sie Visionen haben, müssen Sie nach Hamburg gehen. Ein 79-jähriger Vibraphonist spielt eine CD mit Eigenkompositionen mit der Bigband ein, der er 30 Jahre lang angehörte. Klingt nicht spektakulär. Ist es aber. Klar, die Musik steht in der Jazztradition, aber die Arrangements sind modern und die Band spielt mitreißend.

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