Eine musikalische Reise

Mai 29, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Jasper van’t Hof Œuvre (2012) Q-Rious Music

http://www.musicline.de/de/player_flash/4260027621183/0/0/-/product

Besetzung: Jasper van’t Hof (p), Harry Sokal (sax), Fredy Studer (dr), Stefan Neldner (bg)

Jazz Puristen mögen van’t Hof als Scharlatan denunziert haben in der Vergangenheit, da er oft den verhaßten Synthesizer (manchmal mit kitschigen Sounds) einsetzte. Dann hatte er auch noch Erfolg mit Pili Pili, einer Band, die afrikanische Tanzmusik spielte. Ja, die Konzerte waren ein Heidenspaß, aber war das wirklich Jazz? 1998, als er eine Platte mit Ernie Watts aufnahm (Canossa, eine CD, die ich immer noch sehr mag), benutzte er sogar Drum-Loops. Genug um die Fundamentalisten auf die Palme zu bringen. Der Penguin Guide to Jazz on CD (4th Edition) listet ihn nur als Sideman.

Aber die Dinge haben sich geändert. Jetzt hat er den Konzertflügel wiederentdeckt. Sein Solo-Piano-Album war zu „pur“ für meine Ohren. Seine Reanimation von Pili Pili als Avantgarde-Band, die nun plötzlich untanzbare Musik machte, war anspruchsvoll, aber auch ein Stück weit enttäuschend. Jetzt präsentiert er ein neues Album, das den gewichtigen Namen Oeuvre trägt, obwohl es keine Kompilation ist.

Das Quartett auf dieser Platte klingt, als hätten sie schon immer zusammen gespielt. Jeder Titel strahlt pure Schönheit aus – ohne gefällig oder gar kitschig zu sein. Manche Titel sind sehr komplex, andere einfacher in ihrer Struktur. Was natürlich für die Qualität der Musik unerheblich ist.

Van’t Hof hat es nicht nötig, den Chef raushängen zu lassen. Er zwängt den anderen seine Musik nicht auf. Jeder der vier ist ein vollkommener Musiker und zeigt das auch  – allerdings ohne mit seinem Können anzugeben. Sokal kann das Saxofon sowohl lyrisch als auch spannungsgeladen spielen. Neldner wechselt mühelos zwischen einem Walking-Bass, einem melodischen, rhythmus-orientierten (yes but)   oder funky Bass (Elusive).  Studer setzt immer die richtigen Akzente. Zusammen bereisen sie Landschaften von unterschiedlicher musikalischer Prägung. Es geht von mehr Bebop-orientierten Stücken über spirituelle zu Fusion-beeinflussten Tracks,

Als Fazit ist festzustellen, dass das Album schlichtweg perfekt ist. Van’t Hof schreibt in den Liner-Notes, dies sei möglicherweise die beste Band, mit der er jemals gespielt hat und wahrscheinlich hat er Recht.

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