Mehlige Mediensoße mit Kartoffelklößen

Februar 11, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Vahrenholt stellt die allgemein akzeptierten Gründe für die globale Erwärmung infrage. CO2 ist nicht der Klimakiller, als der es angesehen wird, behauptet er. Und Vahrenholt ist nicht irgendwer. Er ist Chemiker und war bis vor kurzem RWE-Manager. Die Erwärmung der letzten Jahrzehnte war hauptsächlich das Werk höherer Sonnenaktivität, sagt er – und da die Sonnenaktivität nun nachlässt, prognostiziert er kältere Jahre. Das Buch hat er zusammen mit einem Geologen geschrieben. Dabei war er sich bewusst, dass er einen Sturm der Empörung auslösen würde. Als RWE-Manager für erneuerbare Energien ist er schon mal zurückgetreten.  Seine Ahnungen bezüglich der Angriffe auf seine Person könnten sich bewahrheiten. Der Spiegel spielte im Interview schon mal die Sarrazin-Karte aus. Denn auch Vahrenholt ist ein SPD-Mann. Die Frankfurter Rundschau hingegen nannte ihn einen RWE-Manager und unterschlug die SPD-Zugehörigkeit. Klar, denn Manager gilt bei der FR (und vielen ihrer Leser) als Schimpfwort, während die SPD-Affinität der Zeitung ja schon fast legendär ist. Die Bildzeitung wiederum machte „die CO2-Lüge“ zum Titel und schuf damit, absichtlich oder unabsichtlich, Assoziationen zur Auschwitz-Lüge. Die Unterstützung der Bildzeitung bringt Vahrenholt zwar Popularität aber auch die automatische Gegnerschaft aller Journalisten, die sich als integer betrachten. All diese Angriffe sind hanebüchen, denn in der positivistischen Wissenschaft gibt es keine Wahrheit, die unangreifbar ist, sondern nur Theorien, die genau solange gelten, bis sie widerlegt sind.

Popularität macht reich aber nicht glücklich. Gottschalk und Harald Schmidt sind in die Quoten-Hölle gestürzt. Unsummen haben die Sender ausgeben, um diese Stars zu sich zu holen – und nun will sie niemand sehen. Everybody’s in Showbiz, Everyone’s a Star sangen schon die Kinks. Die Starmasche verfängt nur noch bei weiblichen Teenagern. Natürlich macht Erfolg sexy – und so glaubt Otto Normalzuschauer, dass er Jauch und Gottschalk mag. Aber dieser Glaube ist nicht sehr tief verankert. Und seine Sehgewohnheiten ändert selbst der beschränkteste Fernsehkonsument nicht, nur weil Gottschalk jetzt auf einem anderen Sendeplatz zu sehen ist. No way!

Starruhm führt auch zu Neid. Das könnte Angelina Jolie erfahren, wenn sie denn deutsch könnte und die FR lesen würde. Da stand heute eine sehr törichte Kritik zu Jolies erstem Film als Regisseurin In the Land of Blood and Honey drin, der vom Schicksal vergewaltigter bosnischer Frauen durch serbische Soldaten im Bosnienkrieg erzählt. Anke Westphal stört sich daran, dass Jolie eine einzelne Frau in den Vordergrund stellt und dann auch noch eine Liebesgeschichte einfließen lässt. Ein Frevel an allen vergewaltigten und gedemütigten Frauen! Nun ja, im Gegensatz zu Frau Westphal ist Jolie eine Künstlerin und weiß wie Kunst  funktioniert. Ein Film muss eine Geschichte erzählen und die muss Empathie beim Zuschauer wecken. Empathie können wir aber nur für Individuen und nicht für die anonyme Masse empfinden. Darüber ob der Film gut oder schlecht ist, kann ich nichts sagen, da ich ihn nicht gesehen habe und ihn auch nicht anschauen werde.

Okay, nachdem ich mich jetzt über ein Buch, welches ich nicht gelesen habe und auch nicht lesen werde, da mir positivistische Bücher zu platt sind; eine Show (Gottschalk), die ich nicht angeschaut habe; und einen Film, der mich nicht interessiert, ausgelassen habe, höre ich jetzt auf zu schreiben, lege eine CD ein und öffne eine Flasche Wein.

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