Februar 2012

Februar 1, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Album des Monats

Michel Portal Bailador (2011) EmArcy

Track Listing: Dolce; Bailador; Cuba Si, Cuba No; Ombres; Citrus Juice; Alto Blues; One On One; Tutti No Hysterique.

Line-Up: Michel Portal: bass clarinet (1, 2, 4, 5, 7, 8), alto saxophone (3, 6), soprano saxophone (5); Ambrose Akinmusire: trumpet; Lionel Loueke: guitar (1-4); Bojan Z: piano; Scott Colley: bass; Jack DeJohnette: drums.

Jetzt hat Portal doch noch ein zugängliches, „schönes“ Album gemacht.  Es beginnt konsequenterweise mit etwas Süßem: Dolce ist hektisch wie eine Bienenschwarm auf der Suche nach Blütenpollen. Treibende Kräfte sind Portal und Pianist Bojan Z. Letzterer ist auch der einzige Sideman, der auf diesem Album wirklich durchgehend Akzente setzen kann (darf?). Loueke bleibt bis auf Ombres völlig im Hintergrund und auch DeJohnette darf nur auf One On One sein Können zeigen. Allerdings ist DeJohnette mit seinem ätherischen Spiel eh nicht gerade mein Lieblingsschlagzeuger. Portals Spiel dominiert auf allen acht Stücken und macht seine Mitstreiter in der Tat zu bloßen Sidemen. Aber zurück zur Musik:

Dolce beginnt hektisch, dann groovt es plötzlich. Starke, melodische Riffs,  der Rhythmus ist feurig. Ein heißer Cafe Creme, dazu ein Brioche zum Eintunken. Die Luft flirrt, Stechmücken umschwirren den Kopf.

Bailador: auf dem Balkon läßt sich in aller Ruhe Zeitung lesen. Unten das muntere Treiben der Menschen, die Arbeiten oder Einkaufen gehen.

Cuba Si, Cuba No: ein Volksfest. Die Menschen tanzen auf der Straße.

Ombres: Da kommt die schwere Erinnerung an eine verflossene Liebe zurück ins Bewusstsein. Einsam läuft man die Straße entlang in tiefer Melancholie.

Citrus Juice: sauer macht lustig. Ein gutes Mittagessen und ein Glas Wein helfen noch viel mehr. Die Sonne schiebt sich wieder zwischen den Wolken hervor. Der Wein besänftigt das Gemüt. Man schaut den Jungen beim Tanzen zu.

Alto Blues, One on One: skip

Tutti No Hysterique: trotz des Titels ein Unruhestück, das seltsam fragmentarisch bleibt. Kaum meint man, es gehe jetzt so richtig los, da ist es fertig. Und zwar so plötzlich, dass die Stille wie ein Posaunenchor über einen hereinbricht.

Ein Album von tiefer, innerer Schönheit, voller Sonne und Stil und Weisheit. Bravo, Monsieur Portal!

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