September 2011

September 1, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Mein Album des Monats

Booker T. Jones „The Road To Memphis“

Die Grillen zirpen. Töne von einer Hammondorgel  mäandern durch die schwüle Südstaaten-Nacht. Sie streicheln die wunde Seele, ohne sie zu betäuben. Die Kamera zoomt in eine enge, schmutzige Seitenstraße. Ein hell beleuchteter Club. Die Farben sind zu grell um natürlich zu sein. Color by Technicolor. Drinnen ist es brechend voll. Alles raucht und trinkt Bier oder Whisky. Auf der Bühne sitzt ein junger Mann und spielt Hammondorgel. Er heißt Booker T.  Jones. Schnitt. Die Farben sind jetzt natürlich. Booker T. spielt immer noch. Er ist jetzt 66 Jahre alt. Das Publikum raucht nicht. Sie trinken Cola light oder alkoholfreies Bier. Die Musik wirkt frisch und überhaupt nicht angestaubt.

Booker T., der Meister des sämigen Orgelsounds, ist zurück. Mit 66 hat er wieder einmal ein Soloalbum eingespielt.  Was er serviert, ist kein Hot Dish sondern pikantes Soul Food. Es ist auch eine Hommage an seine Heimatstadt – Memphis. Der Sound ist entspannt – aber nicht beliebig. Dafür sorgen auch 3/7 der Roots als Backing Band. The Roots, eigentlich eine erfolgreiche Hip Hop-Kapelle, zeigen dass sie Klassemusiker sind. Sie haben auch John Legend bei seinem letzten Album unterstützt. Aber während das Legend-Album durchwachsen ist und an der Songauswahl leidet (Es besteht ausschließlich aus Coverversionen von obskuren Soulnummern aus den Sechzigern), ist Booker Ts Werk homogen und hält von Anfang bis Ende sein hohes Niveau. Es ist eine Rückkehr zu seinen R&B Wurzeln, wie Booker T selbst sagt.

Die Orgel setzt die Akzente, aber Questlove an den Drums und Bookers alter Mitstreiter Dennis Coffey an der Gitarre sind mehr als nur Sidemen.  Neben der Rhythm-Section der Roots treten auch mehrere Vokalisten auf. Progress wird von Yim Yarns von My Morning Jacket gesungen. Representing Menphis gesungen von Sharon Jones und Matt Berninger ist mein Lieblingstitel, gefolgt von Down in Memphis, auf  dem Booker T. überraschenderweise selbst die Stimmbänder bedient. Auf dem Abschlußstück The Bronx singt Lou Reed – nun ja, wenn da so nennen kann. Lous plakative gesangliche Inkompetenz, gepaart mit seiner Beharrlichkeit dies trotzdem zu tun, irritieren mich immer wieder. Davon abgesehen, ist Road to Memphis ein wirklich tolles Album

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