Warum ich noch kein Zenmeister bin

August 28, 2011 § 2 Kommentare

Auf den Sommer folgt der Herbst; auf den Herbst der Winter. Der Frühling erlöst uns von Eis und Schnee – und schon steht wieder der Sommer vor der Tür.

Panta Rhei

Wie wahnsinnig wäre es, in den Lauf der Jahreszeiten eingreifen zu wollen? Aber was für die Natur gilt, scheint keine Gültigkeit bei privaten Unternehmungen oder wirtschaftlichen Zyklen zu haben. Hier wollen uns kluge Köpfe weismachen, Apathie wäre tödlich. Doch wachsames Beobachten ist das Gegenteil von Apathie. Eingreifen – den Lauf der Welt zum eigenen Vorteil zu beeinflussen – ist hingegen tatsächlich Wahnsinn.

Wu Wei in Zeiten der Krise

Der Edle handelt nicht und alles ist getan – so steht es schon im Dao De Jing, dem Buch des Weges. Wie ein Eichbaum, den es nicht stört, wenn sich ein Schwein an ihm reibt, müssen wir werden. Krankheit, Erfolg, Armut und Reichtum, was haben die mit uns zu tun? Der Wind bläst die Wolken vom Himmel – die Schäfchenwolken genauso wie die bedrohlichen Gewitterwolken.Man kann nur den Kopf schütteln über all dieses Gewusel und die Geschäftigkeit. Erst müssen Banken gerettet werden, dann Staaten, schließlich wieder Banken. Wir sollten entspannt dem Kollaps zuschauen, auch wenn wir selbst Geld dabei verlieren.

Alles zerfällt

Mühevoll wurde das Hochhaus, Stock für Stock, hochgezogen. Baumeister, o Baumeister, Sisyphus sei dein Name.Der Sprengmeister platziert das Dynamit und legt den Schalter um. In einer Wolke aus Staub und Asche und voller Eleganz gleitet das Bauwerk zu Boden. Bis nur noch Abraum übrig ist. Wieviel spektakulärer ist doch das Zerstören gegenüber dem Aufbauen.

Stimmt, sagt der linksradikale Autonome, der gerade zwei Skoda und einen Renault Twingo abgefackelt hat. Stimmt, nickt der Neonazi weise. Dekadentes muss eliminiert werden, damit das Reine und Wahre wieder wachsen kann. Der libanesische Obstverkäufer, der das nicht verstehen will, muss mitansehen, wie ein Stiefeltritt des Nazis seine Apfelpyramide zum Einsturz bringt. Der Nazi tritt aus Wut auch noch gegen das dekadente römische Bauwerk nebenan, dessen gotischer Torbogen herunterfällt und seine Schädeldecke wie eine ausgeblasene Eierhülle zerknittern lässt.

Das habe ich als Kind gerne gemacht. Ausgeblasene Eier bemalen. Blasen wir ihnen das Hirn heraus, bevor sie unseres heraus blasen? Doch wer wischt den braunen Schleim vom Boden?

Zerstören macht Spaß. Schon das Kleinkind liebt es seinen Legoturm umzuwerfen. Das ist der Todestrieb, sagt Freud. Wir sehnen uns nach Vollendung. Shiva tanzt sich in Ekstase und löst unsere Fesseln.

Liebe fehlt. Es fehlt so viel Liebe in der Welt. Den Menschen sollte man helfen, nicht den Banken oder den Staaten. Menschen sollte man auch denn helfen, wenn man genau weiß, dass sie sich wieder in so eine dumme Lage bringen werden. Darum bin ich noch kein Zenmeister. Mir fällt es so schwer, euch Deppen zu lieben.

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§ 2 Antworten auf Warum ich noch kein Zenmeister bin

  • zentao sagt:

    Gut geschrieben aber zum Glück gibt es nicht nur Deppen in dieser Welt, es sind oft Menschen die ein bisschen weniger Glück als andere haben. Die Welt ist ein Durchgangsheim, oben gehen die Erleuchteten weg und von unten kommen wieder, die gar nichts von diesem Leben wissen. Alles beginnt immer wieder von vorne, das ist der Lauf der Dinge
    Liebe Grüsse zentao

  • Uwe Freising sagt:

    Glück oder Karma? Ist es nicht das eigennützige Handeln, das diese Verstrickungen hervorbringt?

    Auch liebe Grüße

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